Nachruf Gerhard Baader

Wir trauern um Gerhard Baader, der am 14. Juni im Alter von 91 Jahren gestorben ist. Wir durften Herr Baader im Spätsommer 2018 in seiner Wohnung in Berlin interviewen. Wir sind dankbar für die Begegnungen mit ihm.

Gerhard Baader wurde 1928 in Wien geboren. Als Kind einer jüdischen Mutter und eines nichtjüdischen Vaters blieb er von den Deportationen in die Konzentrations- und Vernichtungslager verschont. Ab 1942 musste er Zwangsarbeit leisten, zuletzt auch in einem Arbeitslager. Nach dem Krieg holte er seine Matura nach und begann zu studieren. Erst Chemie, dann wechselte er zur Geschichtswissenschaft. Besonders Herrn Baaders politisches Engagement sticht aus seiner Lebensgeschichte hervor. Als überzeugter Sozialdemokrat versuchte er, für eine offene und gerechtere Gesellschaft einzustehen. Er sagte: »Wenn wir nicht in der Lage sind, ein Leben zu schaffen, das für uns alle lebenswert und lebenswürdig ist, dann können wir zusperren.« Er engagierte sich bei der SPD und war als Gabbai (jüdische Person zur Unterstützung des synagogale Betriebes) bei der Oranienburger Synagoge in Berlin tätig. 

Unsere Ksenia lernte den Universitätsprofessor in einem Seminar kennen und fragte ihn nach einem Interview für ZWEITZEUGEN e.V. Wir sind sehr dankbar, dass er uns damals zugesagt hat und wir jetzt die Ehre und Chance haben, die Lebensgeschichte dieses besonderen Menschen weitertragen zu dürfen.

Nefeli und Ksenia: Wir haben Gerhard Baader im Sommer 2018 an der Freien Universität in Berlin kennengelernt. Er war Ksenias Geschichtsprofessor und stellte sich den Studierenden als »Wissenschaftler, aber eben auch als Zeitzeuge vor«. Mit ZWEITZEUGEN e.V. (ehemals HEIMATSUCHER e.V.) interviewten wir Gerhard im September 2018. Er erzählte uns dabei von seinem politischen Werdegang, vom Wandern, von seiner Freude mit Studierenden zu arbeiten. Aber er erzählte uns auch von der Ausgrenzung, die er in seiner Jugend erfuhr und es berührte uns zu erleben, dass er später und eben bis ins hohe Alter das Gegenteil von ausgegrenzt war. Ehemalige Studierende besuchten ihn noch gern in seiner Wohnung und er selbst hatte keine Scheu, zu Vorträgen oder Ausstellungen zu reisen.  Seit dem ersten Treffen damals durfte wir Gerhard im »letzten Stadium seines Lebens«, welches er als glücklich beschrieb, ein Stück begleiten. Bei vielen gemütlichen Nachmittagen in seiner Wohnung konnten wir bei Kaffee und Kuchen die offene und so jung geblieben herzliche Art von Gerhard kennenlernen. Wir durften seiner bewegten und bewegenden Lebensgeschichte lauschen und diese viele Male als »Zweitzeug*innen« Kindern und Jugendlichen in ganz Deutschland erzählen. Aber auch die Gespräche über politisches und gesellschaftliches Engagement, ob in seiner Wohnung oder zuletzt auch im Krankenhaus, haben uns nachhaltig geprägt und wir werden Gerhard nie vergessen. Seinen Auftrag an uns junge Menschen »bereit zum Engagement sein, bereit sein zum Einsatz für eine menschenwürdige Welt, in der jeder Mensch Platz hat«, tragen wir jeden Tag mit uns. Wir werden Gerhard vermissen.

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Was macht ZWEITZEUGEN e.V.?

Wir von ZWEITZEUGEN e.V. interviewen Zeitzeug*innen des Holocausts, dokumentieren ihre Geschichten und erzählen sie dann in Workshops und unserer Ausstellung weiter. Der Überlebende Elie Wiesel sagte einmal: »Jeder der heute einem Zeitzeugen zuhört, wird selbst ein Zeuge werden.« Und so sehen wir unseren Auftrag darin, als »Zweitzeug*innen«, (junge) Menschen stark gegen jegliche Art von Rassismus und Antisemitismus zu machen. ZWEITZEUGEN e.V. ist laut § 78 SGB VIII anerkannter Träger der freien Jugendhilfe.

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