Auf einen Blick

ZWEITZEUGEN e.V. (ehemals HEIMATSUCHER e.V.) ist ein gemeinnütziger Verein, der Kinder und Jugendliche anhand einfühlsam weitererzählter Holocaust-Überlebensgeschichten die Wesentlichkeit von Akzeptanz lehrt. Wir ermutigen sie, durch das Weitergeben der Geschichten selbst zu zweiten Zeugen, zu Zweitzeug*innen zu werden, sich gegen Rassismus wie Antisemitismus stark zu machen und gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen. 

Was unsere Arbeit bewirken kann, zeigt der Brief der 12-jährigen Selin an die Überlebende Erna de Vries: 

 

»Liebe Erna, es tut mir echt leid, wie du als Kind leben musstest. Ich wünsche mir, das sowas nie passiert wär, damit du noch deine Eltern hast. 

Ich hoffe, dass es dir wenigstens jetzt gut geht und du eine schöne und gesund Familie hast. Ich kenne dein Leben jetzt, deswegen bin ich deine Expertin. 

Ich wünsche dir alles Gute.«


Selin ist eins von über 9.000 Kindern und Jugendlichen, die wir bisher zu Zweitzeug*innen ausbilden konnten. Durch unsere Arbeit hat sie die Geschichte der Zeitzeugin Erna de Vries kennengelernt, hat mitgefühlt und möchte diese aktiv weitergeben. Mit unserem inzwischen bewährten didaktischen Ansatz schaffen wir es, Kinder und Jugendliche bereits ab einem Alter von zehn Jahren zu berühren und sie zu ermutigen, sich als Zweitzeug*innen gegen Antisemitismus und Rassismus zu engagieren.

 

unsere-arbeit

Mit bisher 37 geführten Interviews dokumentieren wir Geschichten von Zeitzeug*innen des Holocaust und der Zeit des Nationalsozialismus. Der Zeitzeuge Elie Wiesel sagte: »Jeder, der heute einem Zeugen zuhört, wird selbst ein Zeuge werden.« – davon motiviert, erzählen wir Überlebensgeschichten und von den Begegnungen mit den Zeitzeug*innen. Wir berichten als ihre Zweitzeug*innen in Workshops, Ausstellungen, Veranstaltungen und Magazinen.

 

Unser didaktisches Konzept

Um Kinder und Jugendliche für Formen und Auswirkungen von Antisemitismus und Rassismus zu sensibilisieren, basieren die didaktischen Angebote auf dem von uns entwickelten Zweitzeug*innen- Konzept, das fachlichen Standards der Holocaust Education entspricht. Anhand biografischer Narrationen wird ein niedrigschwelliger Zugang zur Vergangenheit geschaffen. 

 

Das Lernen durch Emotionen wird u.a. mit dem Herz-Kopf-Hand-Prinzip gefördert: 


  1. Herz: Niederschwelliger Zugang durch emotionalen Kontakt 

Geschichte wird durch Identifikation und Mitgefühl persönlich bedeutsam. Durch Erzählungen von Begegnungen mit den Überlebenden und deren Lebensgeschichten, können Jugendliche eine emotionale Nähe zu ihnen aufbauen. Die Geschichten beginnen in der Kindheit mit Schilderungen der Hobbys, Träume und Freundschaften. Damit bieten sie vielfältige Identifikationsmöglichkeiten und stärken Empathie.


  1. Kopf: Verständnis und Übertrag ins Heute

Die Teilnehmer*innen erfahren bspw. anhand der antijüdischen Gesetze eindrücklich, wie systematisch als Jüdinnen und Juden Verfolgte diskriminiert wurden und was diese Gesetze in der heutigen Zeit für die Teilnehmenden persönlich bedeuten würden. Sie lernen und verstehen dadurch die Ausgrenzungen von damals und schlagen eine Brücke zur eigenen Lebenswelt. 

Sie werden unterstützt, Antisemitismus und weitere Diskriminierungsformen in der Gegenwart zu erkennen.


  1. Hand: Selbst aktiv werden

Die Darstellung der (Über)Lebensgeschichten führt bewusst über das Kriegsende hinaus in die Gegenwart. Die Überlebenden werden für die Jugendlichen zu Vorbildern: Sie haben die Kraft gefunden, sich ein neues Leben aufzubauen und erzählen ihre Lebensgeschichte, damit sich das Vergangene nicht wiederholt. Dies ermutigt die Jugendlichen als Zweitzeug*innen selbst aktiv gegen Rassismus und Antisemitismus zu werden. Daran anknüpfend sprechen wir mit den Kindern und Jugendlichen über konkrete Handlungsoptionen: einen Brief an den*die Überlebende*n zu schreiben und/oder eigene Projekte wie einen Kurzfilm oder eine Gedenkveranstaltung zu entwickeln. 


Die Kinder und Jugendlichen können helfen, die Überlebensgeschichten vor dem Vergessen zu bewahren – sie werden zu Zweitzeug*innen der Zeitzeug*innen. 

Welche Wirkung hat ZWEITZEUGEN e.V.?

Niederschwelliger Zugang: Geschichte wird durch Identifikation und Mitgefühl persönlich bedeutsam: Indem wir von unseren persönlichen Begegnungen mit den Überlebenden und deren Lebensgeschichten berichten, können Kinder und Jugendlichen eine emotionale Nähe zu den Überlebenden aufbauen. Die erzählten Geschichten beginnen in der Kindheit und bieten so eine Identifikationsmöglichkeit. Dieser emotionale Kontakt mit Geschichten des Holocaust führt Kinder und Jugendliche niederschwellig an das Thema heran. Den jungen Menschen wird ein Angebot gemacht, Brücken zu ihrer eigenen Lebenswelt zu schlagen.

Vorbilder ermutigen gegen Antisemitismus und Rassismus aktiv zu werden: Die Zeitzeug*innen haben die Kraft gefunden, sich ein neues Leben aufzubauen. Sie erzählen ihre Lebensgeschichte, damit sich das Vergangene nicht wiederholt. Um den Lebensgeschichten gerecht zu werden, erzählen wir diese ganzheitlich: Sie beginnen in der Kindheit, thematisieren die Zeit der Verfolgung und des Holocausts, zeigen aber auch, wie sich die Überlebenden nach 1945 ein neues Leben aufbauten. Die Erzählung endet in der Gegenwart. Daran anknüpfend sprechen wir mit den Kindern und Jugendlichen über konkrete Handlungsoptionen, wie einen Brief an den*die Überlebende*n zu schreiben oder eigene Projekte, wie einen Kurzfilm oder eine Gedenkveranstaltung, zu entwickeln. Die Kinder und Jugendlichen können helfen, die Überlebensgeschichten vor dem Vergessen zu bewahren – sie werden zu Zweitzeug*innen der Zeitzeug*innen.

 

 

Was macht ZWEITZEUGEN e.V.?

Wir von ZWEITZEUGEN e.V. interviewen Zeitzeug*innen des Holocausts, dokumentieren ihre Geschichten und erzählen sie dann in Workshops und unserer Ausstellung weiter. Der Überlebende Elie Wiesel sagte einmal: »Jeder der heute einem Zeitzeugen zuhört, wird selbst ein Zeuge werden.« Und so sehen wir unseren Auftrag darin, als »Zweitzeug*innen«, (junge) Menschen stark gegen jegliche Art von Rassismus und Antisemitismus zu machen. ZWEITZEUGEN e.V. ist laut § 78 SGB VIII anerkannter Träger der freien Jugendhilfe.

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