Israel Lichtenstein

Israel Lichtenstein haben wir als einen charmant-sympathischen und sehr gebildeten Herrn kennengelernt. Wir waren direkt von seinem freundlichen Lächeln und dem französischen Akzent verzaubert. Doch obwohl er uns seine Geschichte mit einer durchgängigen Leichtigkeit erzählte, spürte man den Ernst eines Kindes, das zu früh erwachsen werden musste.

Kurzbiografie

»Manchmal muss man, wenn man sein Kind retten will, es von sich wegschicken.« Das ist eine der wichtigsten Erfahrungen, die Israel Lichtenstein in der Zeit des Krieges machen musste. Als kleiner Junge schlug er sich alleine mit seinen zwei Cousins bis zu dem Kinderheim durch, in dem er auch schon zu Beginn des Krieges lebte.

Er rettete sich so das Leben. Heute lebt er mit seiner Frau in Jerusalem – als stolzer Jude und Franzose.

»Manchmal muss man, wenn man sein Kind retten will, es von sich wegschicken.«

Ein Bild zum Weiterleben

Auf dem Foto sieht man wie Israel Lichtenstein mit Volontären des französischen Hospizes spricht. Es ist ihm sehr wichtig seine Geschichte weiterzugeben - vor allem an junge Menschen.

Unsere Begegnung

Am Tag unserer Begegnung holte er uns mit seinem Auto an der Gedenkstätte Yad Vashem ab, um mit uns gemeinsam zu sich nach Hause zu fahren. Es begrüßte uns eine wunderschöne, helle und sehr stilvoll eingerichtete Wohnung. Sie spiegelt seine Liebe zur französischen sowie jüdischen Kultur und vor allem zu Büchern wieder. Mitten im Gespräch stand er manchmal auf, um ein Buch aus seinem Fundus zu greifen und daraus zu zitieren. Zum Beispiel ein Gedicht von Heine, das er in der Schule gelernt hatte.

Große Bilder mit abstrakter, farbenfroher Malerei, in Kombination mit den tanzenden Sonnenflecken von draußen, verzauberten die Atmosphäre im Raum.

Man merkt Israel Lichtenstein an, dass er dieses Land, Jerusalem, und seine Wohnung mit Blick auf den Stadtwald von ganzem Herzen liebt. Auch wenn er immer Franzose sein wird, französische Bücher liest und französische Musik hört: In Israel ist er angekommen.

Nach Frankreich, wie er uns erzählt, fahre er trotzdem immer sehr gerne und regelmäßig. Er fühle sich dort wie ein »privilegierter Tourist«, denn er verstehe die Kultur und Sprache wie ein Einheimischer, sei jedoch nur vorübergehender Gast.

Ebenso wichtig wie sein facettenreiches heutiges Leben ist ihm, dass junge Menschen von seiner Geschichte erfahren und verstehen, was im Zweiten Weltkrieg geschehen ist. Aus diesem Grund lädt der ehemalige Klinikdirektor regelmäßig Volontäre zu einem Abend der Begegnung ein, erzählt von seinem Leben und beantwortet Fragen. Denn diese Lebensgeschichten sind es, die jungen Menschen einen greifbaren Zugang zur Geschichte bieten. Einen Abend mit Israel Lichtenstein vergisst man nicht.

Autorin: Zweitzeugin Sarah Hüttenberend

Israel Lichtensteins ganze Geschichte für Zuhause

Das ganze Interview und alles zum Leben von Israel Lichtenstein findest Du im Ausstellungskatalog. Wir durften die Zeitzeug*innen in ihrem Zuhause besuchen und zu ihrer persönlichen (Über)Lebensgeschichte befragen. Wir übernehmen damit einen Teil der Verantwortung, die Erlebnisse der Zeitzeug*innen »Gegen das Vergessen« zu bewahren. Das gesamte Interview und alles rund um die Geschichten fassen wir unseren Magazinen zu jeder einzelnen Geschichte und einem Ausstellungskatalog mit zehn Interviews zusammen. 

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