Margot Friedländer

Berlin ist am Tag unseres Besuchs brütend heiß. Gemeinsam wollen wir – Janika, Ksenia, Jennifer, Andrea und Verena –  mit Margot Friedländer über ihr Leben vor, während und nach der Schoah sprechen. Aufgeregt laufen wir den Flur zu ihrer Wohnungstür entlang, schon aus der Ferne sehen wir sie im Flur stehend uns winken. Wir treffen auf eine quirlige und herzliche Dame, die ihre Wohnung mit ihrer Katze Lilli teilt. Auf ihrem Schreibtisch steht ein Computer, daneben viele Unterlagen. Überall sind Fotos und Bücher. Trotz ihrer 97 Jahre ist Margot Friedländer vielbeschäftigt und aktiv, da reicht ein Blick auf ihren Schreibtisch aus, um diesen Eindruck zu bestätigen.

»Das waren die, [die] nicht weggeguckt haben, die etwas getan haben, was ihren Kopf hätte kosten können und sie haben es trotzdem getan, weil sie Menschen waren. Menschen, die für andere Menschen Gefühle hatten und andere Menschen als Menschen anerkannt haben. Das ist alles, was ich predige.«

Ein Bild zum Weiterleben

Die Bernsteinkette sowie das Adressbuch sind das Einzige, was Margot von ihrer Mutter noch hat. Ihre Geschichte in Form eines Buches zu veröffentlichen, hat ihr geholfen mit ihrer Vergangenheit umzugehen und im Einklang mit sich selbst zu sein.

Unsere Begegnung

Margot Friedländer erzählt uns ihre Lebensgeschichte von ihren Jugendjahren in Berlin, in denen sie sich bereits für Mode interessierte und ihr Ausflüge zu Verwandten an den Scharmützelsee große Freude machten, bis hin zur Trennung von ihrer Mutter und ihrem geliebten Bruder Ralph. Dieser Tag bedeutete gleichzeitig ihr komplettes Abtauchen in Berlin, wo sie in verschiedenen Verstecken gelebt hat, bevor sie verraten und nach Theresienstadt deportiert wurde. In Theresienstadt erlebte sie die Befreiung und heiratete ihren Mann, mit dem sie 1946 in die USA auswanderte und ein neues Leben aufbaute. 

Tief bewegt sind wir, als sie uns das Notizbuch ihrer Mutter zeigt, das Einzige, was ihr neben einer Kette und der Handtasche von ihr geblieben ist. Die Kette trägt sie ständig. Wir betrachten gemeinsam Fotoalben und ihre Arbeitshefte aus den USA, wo sie durch Creative Writing-Kurse nach dem Tod ihres Mannes zum Schreiben kam.

Sie erzählt ihre Geschichte in druckreifen Sätzen, auch weshalb sie schließlich im hohen Alter in den USA ihre Wohnung auflöste und zurück nach Berlin zog. Denn Berlin ist für sie Heimat, weil ihr dort Menschen halfen und sie versteckten. Der heutigen Generation lastet sie nicht die Verbrechen ihrer Vorfahren an. Vielmehr sieht sie uns in der Verantwortung, Hass und Antisemitismus entgegenzutreten, weil- so ihre Wahrnehmung – sich das gesellschaftliche Klima in Deutschland in den letzten Jahren zum Negativen verändert hat. Ihr Appell an uns ist daher, dass wir einfach Menschen sein sollen und dass es egal ist, woher jemand kommt oder welche Religion sie*er hat.

Zudem erzählt sie uns von den Filmen über ihr Leben und zeigt uns die Ausgabe ihres Buches »Versuche dein Leben zu machen«, die sie immer mit zu Lesungen nimmt. Man sieht der Ausgabe deutlich an, dass sie bereits eine Vielzahl von Lesungen hinter sich hat. Und nicht nur das: Auch Schulen besucht sie nach wie vor und erzählt dort ihre Geschichte. Margot Friedländer sagt uns, dass sie gerade deswegen nach Jahrzehnten in den USA wieder zurück nach Deutschland gekommen sei, nämlich um sich dafür zu engagieren, dass sich die Schoah nicht wiederholt. 

Margot Friedländers ganze Geschichte für Zuhause

Das ganze Interview und alles zum Leben von Margot Friedländer wird bald als Interview-Magazin veröffentlicht. Aktuell arbeiten wir noch daran. Wir freuen uns sehr, wenn Du uns mit einer Spende unterstützt, damit wir das Magazin bald drucken können:

Zur Spende für die Interview-Magazine