Michaela Vidláková

Michaela Vidláková ist eine beeindruckende Frau, die gerne ihre Lebensgeschichte erzählt, um so auf Diskriminierung und Rassismus aufmerksam zu machen. Es sei wichtig über Antisemitismus und Rassismus Bescheid zu wissen, aber noch wichtiger sei es, etwas dagegen zu tun und nicht wegzuschauen.

Kurzbiografie

Michaela Vidláková wurde 1936 in Prag als Michaela Lauscher geboren. Dort erlebte sie bis 1938 eine glückliche Kindheit. Mit der deutschen Besatzung veränderte sich das Leben des jüdischen Kindes: Sie durfte nicht mehr mit nichtjüdischen Kindern spielen, Einkäufe durften nur noch zu einer bestimmten Uhrzeit gemacht werden und schließlich musste die Familie ihr Haus verlassen und in eine kleine Wohnung ziehen. Im Dezember 1942 wurde die gesamte Familie nach Theresienstadt deportiert. Dort waren sie bis Kriegsende eingesperrt. Trotz schwerer Krankheit und nur aufgrund einiger glücklicher Zufälle überlebte sie zusammen mit ihren Eltern. 1945 wurden sie von der Roten Armee befreit. Heute erzählt Frau Vidláková ihre Geschichte in Schulen und an Universitäten.

»Weil das Wichtige ist ja nicht nur, darüber zu wissen, aber etwas dagegen zu tun. Und eben das Gefährliche sind die, die wissen zwar, es ist schlecht, aber tun nichts. Die schweigen und gucken anderswo hin.««

Ein Bild zum Weiterleben

Auf unsere Frage an Michaela Vidláková, was ihr nach dem Krieg geholfen habe weiterzumachen, sprang sie zunächst freudig auf und zeigte uns einen Holzhund namens Pluto. Ihr Vater hatte ihr diesen zum fünften Geburtstag geschnitzt. Die Geschichte dahinter, warum ihr gerade Pluto geholfen hat, haben wir nicht erwartet: Als die Familie ins Konzentrationslager Theresienstadt kam, wurden Schreiner gesucht. Michaelas Vater zeigte den Hund und bekam so einen guten Job, der letzten Endes ihrer Familie das Leben rettete. Den Mut und Einfallsreichtum ihres Vaters übernahm Michaela für ihr eigenes Leben und schaffte es so, nach dem Krieg ihre Zukunft selbst zu gestalten, zu studieren und eine Familie zu gründen. Der Hund selbst ist bis heute eine Erinnerung an ihren Vater, der ihr auch nach Kriegsende zusammen mit ihrer Mutter Halt und ein Stück Normalität gegeben hat. Sie selbst formulierte ihre Gedanken zum Thema Weiterleben schließlich mit den Worten: »Für das Kind: Ich habe Eltern, ich gehe in die Schule, ich habe Kameraden, die Zukunft ist hier, ich lebe, ich lebe! Was wollte ich mehr.«

Unsere Begegnung

Wir durften Michaela Vidláková in Prag zu einem Interview besuchen. Als wir dort ankamen, stand eine freundliche und selbstbewusste Frau vor uns. Sie begrüßte uns mit einem leichten Händedruck und führte uns höflich aufgeregt in ihr Wohnzimmer. Zuerst fiel uns eine Steinsammlung ins Auge, die sie selbst ihren »Steingarten« nennt. Jeder Stein ist eine Erinnerung an eine Reise. Besonders die Menge der Steine ist beeindruckend. Sie zeigt, wie viel Frau Vidláková in ihrem Leben nach 1945 erlebt hat. Nachdem sie unsere Hilfe ausgeschlagen hatte, eine Orangensaftschorle zuzubereiten – »Also so viel Kochen kann ich noch« – setzten wir uns alle zusammen und das Interview konnte beginnen.

Gespannt und berührt lauschten wir ihren Erzählungen. Frau Vidlákovás lebensfrohe Aura faszinierte uns. Sie hatte stets einen Scherz auf den Lippen – sofern es das Erzählte zuließ. Sie hat mit ihrer Lebensgeschichte und ihrem Schicksal einen beeindruckenden Frieden gefunden. So führte sie uns Schritt für Schritt durch ihre Lebensgeschichte und dachte dabei auch an jedes kleinste Detail.
Als wir ihre Wohnung verließen betonte sie noch einmal, wie sehr sie sich über unseren Besuch freute. »Sie sind ein Geschenk, da sie meine Geschichte weitertragen.« Genau diese Momente machen immer wieder deutlich, wie wichtig unsere Arbeit ist.

Michaela Vidlákovás ganze Geschichte für Zuhause

Das ganze Interview und alles zum Leben von Michaela Vidláková findest Du im Interview-Magazin. Wir durften die Zeitzeug*innen in ihrem Zuhause besuchen und zu ihrer persönlichen (Über)Lebensgeschichte befragen. Wir übernehmen damit einen Teil der Verantwortung, die Erlebnisse der Zeitzeug*innen »Gegen das Vergessen« zu bewahren. Das gesamte Interview und alles rund um die Geschichten fassen wir unseren Magazinen zu jeder einzelnen Geschichte zusammen. 

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