Tamar Dreifuss

Wir treffen Tamar Dreifuss an einem Sonntagnachmittag, sie hat uns zu sich nach Hause eingeladen und begrüßt uns schon draußen. Als wir in ihr Haus kommen, sind wir umgeben von viel Grün, denn Tamar liebt Pflanzen über alles und die Wände hängen voll mit Fotos ihrer Familie, Auszeichnungen für ihr Engagement und mit Bildern.

 

Kurzbiografie

Tamar Dreifuss wurde im März 1938 in Polna bei Wilna in Litauen geboren. Dort lebte sie zusammen mit ihren Eltern, bis 1941 die Wehrmacht in Litauen einmarschierte. Die Familie wurde von der Roten Armee umquartiert, als Tamar drei Jahre alt war. Nach einigen Monaten zog Tamar zu ihrer bis dahin unbekannten Tante und lebte für eineinhalb Jahre getrennt von ihren Eltern. Schließlich trafen sie aber im Elend des Ghettos von Wilna wieder zusammen. Im Jahr 1943 wurde von der Wehrmacht zuerst der Vater weggebracht. Unter dem manipulativen Vorwand, den Männern folgen zu dürfen, wurden anschließend auch Frauen und Kinder zur Abreise bewegt. Nach mehreren gescheiterten Fluchtversuchen während der Deportation, wurden Tamar und ihre Mutter im Durchgangslager Tauroggen untergebracht. Durch einen Trick konnte Tamars Mutter schließlich doch mit ihr entkommen. Nach der Flucht – getarnt als russischsprachige Arbeiterin auf Reisen, gelang es ihnen in Litauen zu überleben. Nach einiger Zeit suchten die beiden Tamars Tante in ihrem Haus bei Wilna auf. Ihr Vater und die meisten restlichen Männer kehrten nicht zurück. Nachdem sie in Litauen keine feste Bleibe finden konnte, beschloss die kleine Familie schließlich nach Israel auszuwandern. Hier verlebte Tamar seit 1948 ihre Jugend und lernte ihren Mann kennen, mit dem sie eine Familie gründete und nach Deutschland zog. Ihr Leben lang ging Tamar erfolglos der Frage nach, wie ihr Vater gestorben ist.

»Und deswegen, wenn ich erzähle meine Geschichte, das ist nicht nur Erinnerung, es ist auch zu zeigen, dass waren mutige Menschen dabei. Dass nicht alle sind so hilflos zu dem Schlachthof gegangen, waren viele, die haben sich gewehrt.«

Tamars Geschichte in unserem Podcast »Geschichten, die bleiben«

Hörtipp: Folge #6 Theresa & Tamar: Die Geschichte einer wundersamen Rettung. Tauche ein in Tamars Leben und lass Dir von Theresa ihre ganze Lebensgeschichte erzählen.

Unsere Begegnung

Sie erzählt uns, dass sie sich extra schick gemacht hat, weil wir einen Fotografen dabei haben. Sofort berichtet sie uns dann von ihren Sorgen über ein Kölner Mahnmal am Hauptbahnhof, das an eine Stelle verlegt wurde, wo es schnell übersehen wird: »Da muss man doch was unternehmen!«

So erleben wir sie auch im Gespräch: engagiert, tatkräftig, sehr bestimmt und humorvoll; eine Person, die ihr Leben selbst in die Hand nimmt. Sehr einfühlsam und mit der ein oder anderen Pause teilt sie ihre Geschichte, die ganz eng mit der ihrer Mutter Jetta Schapiro-Rosenzweig verknüpft ist.

Tamar Dreifuss erzählt uns im Anschluss an unser Interview von den Projekten, an denen sie in nächster Zeit beteiligt ist und wir merken auch hier wieder, wie wichtig es ihr ist, sich zu engagieren und vor allem junge Menschen zu erreichen.

Uns hat sie mit ihrer sympathischen offenen Art auf jeden Fall erreicht.

 

Tamar Dreifuss' ganze Geschichte für Zuhause

Das ganze Interview und alles zum Leben von Tamar Dreifuss wird bald als Interview-Magazin veröffentlicht. Aktuell arbeiten wir noch daran. Wir freuen uns sehr, wenn Du uns mit einer Spende unterstützt, damit wir das Magazin bald drucken können:

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