
Erinnerungskultur gemeinsam gestalten: Unser neues Projekt ›Shaping Memory‹ startet
Mit dem Start des neuen Schuljahres beginnt bei ZWEITZEUGEN e. V. auch ein neues zweijähriges Projekt: ›Shaping Memory – Ein Planspiel zur demokratischen Beteiligung an schulischer Erinnerungskultur‹. Das interaktive Bildungsformat richtet sich an Schüler*innen ab Klasse 9 und verbindet historisches und biografisches Lernen mit politischer Bildung und demokratischer Beteiligung.
Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Erinnerungskultur an Schulen heute gestaltet werden kann. Dafür beschäftigen sich die Schüler*innen mit biografischen Interviews von Überlebenden der NS-Verfolgung, historischen Quellen sowie historischem und aktuellem Antisemitismus und Diskriminierung. Sie erarbeiten unterschiedliche Perspektiven aus der Schulgemeinschaft, diskutieren erinnerungskulturelle Fragen und handeln miteinander verschiedene Positionen aus.
Vom Erinnern ins Handeln
Dabei bleibt es nicht bei der Auseinandersetzung mit Geschichte. Die Schüler*innen entwickeln eigene Ideen und konkrete Handlungsempfehlungen für für eine antisemitismus- und diskriminierungskritische Erinnerungs- und Schulkultur.
Das Besondere an ›Shaping Memory‹: Demokratische Beteiligung wird nicht nur im Planspiel erprobt, sondern soll darüber hinaus Wirkung entfalten. Die entwickelten Vorschläge werden innerhalb der Schule vorgestellt, gemeinsam diskutiert und auf ihre konkrete Umsetzung geprüft. So können aus den Ideen der Schüler*innen Veränderungen entstehen, die über das Planspiel hinaus in den Schulalltag hineinwirken.
Damit knüpft ›Shaping Memory‹ auch an unser Herz-Kopf-Hand-Prinzip an: Persönliche Geschichten und emotionale Zugänge werden mit historischem Wissen verbunden sowie mit der Frage, welche Handlungsmöglichkeiten wir im Heute haben.
Ein Planspiel, das gemeinsam mit Schulen wächst
›Shaping Memory‹ ist als Modellprojekt angelegt. In den kommenden zwei Jahren entwickeln, erproben und evaluieren wir das Format gemeinsam mit ausgewählten Schulen in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Berlin und Brandenburg. Die Erfahrungen aus den Schulprozessen fließen direkt in die Weiterentwicklung des Planspiels ein.
Ziel ist es, ein praxisnahes Bildungsformat zu entwickeln, das anschließend auch anderen Schulen zur Verfügung steht: Nach Abschluss der Erprobungsphase werden die Materialien für Pädagog*innen kostenfrei zugänglich gemacht und so aufbereitet, dass das Planspiel an unterschiedliche schulische Kontexte angepasst werden kann.
So soll ›Shaping Memory‹ jungen Menschen nicht nur ermöglichen, als Zweitzeug*innen Geschichte weiterzutragen. Sie sollen zugleich erfahren, dass sie Erinnerungskultur selbst mitgestalten können – und dass ihre Perspektiven und Ideen für das Zusammenleben an ihrer Schule zählen.
›Shaping Memory – Ein Planspiel zur demokratischen Beteiligung an schulischer Erinnerungskultur‹ läuft vom 1. September 2026 bis zum 31. August 2028.
Das Projekt wird aus Mitteln des Bundesministeriums der Finanzen (BMF) gefördert und im Rahmen des Förderprogramms Bildungsagenda NS-Unrecht von der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft (EVZ) umgesetzt.