Inklusiver ZWEITZEUGEN-Workshop mit der Gedenkstätte Brauweiler

Wie kann antisemitismuskritische Bildungsarbeit so gestaltet werden, dass möglichst viele junge Menschen daran teilhaben können? Mit dieser Frage haben wir uns in einem Pilotprojekt beschäftigt: Gemeinsam mit dem LVR-Internat Euskirchen führten wir erstmals eine außerschulische ZWEITZEUGEN-AG für Jugendliche mit den Förderschwerpunkten Hören & Kommunikation sowie Geistige Entwicklung durch.

 

An vier Nachmittagen lernten die Jugendlichen die Lebensgeschichte der Holocaust-Überlebenden Erna de Vries kennen. Für viele war es die erste intensive Auseinandersetzung mit der Zeit des Nationalsozialismus und des Holocaust. Unser Ziel war es, einen möglichst niedrigschwelligen Zugang zu diesem komplexen Thema zu schaffen und dabei flexibel auf die Bedarfe der Gruppe einzugehen.

Dafür entwickelten wir unsere Workshopmaterialien weiter: Statt Schriftsprache arbeiteten wir mit vielen Illustrationen, Objekten, Fotos und Symbolen. Zwei Dolmetscherinnen für Deutsche Gebärdensprache begleiteten alle Termine. Nicht jede Methode funktionierte sofort – deshalb passten wir unsere Materialien und Abläufe während des Projekts immer wieder an. Dieser gemeinsame Lernprozess war ein wichtiger Bestandteil des Workshops.

Geschichte am historischen Ort erleben

Den Abschluss der AG bildete ein Besuch der Gedenkstätte Brauweiler. Gemeinsam wollten wir den Blick auf die Geschichte des Nationalsozialismus in der Region erweitern und einen historischen Ort kennenlernen.

Die baulichen Spuren des ehemaligen Arbeits- und Gefängnisortes eröffneten den Jugendlichen einen zusätzlichen Zugang zur Geschichte. Gerade für eine Lerngruppe, die besonders über Bilder, Räume und visuelle Eindrücke lernt, erwies sich der historische Ort als eindrucksvoll. Die Jugendlichen lernten mehr über die Verfolgung von als Juden*Jüdinnen verfolgten Menschen und weiteren von den Nationalsozialist*innen verfolgte Gruppen. Zudem erfuhren sie mehr zur Geschichte des Ortes und der Rolle der Täter*innen in der Region.

Besonders beeindruckte die Gruppe die Führung durch die Ausstellung im Keller des ehemaligen Frauenhauses. Die Jugendlichen hörten aufmerksam zu, stellten viele Fragen und setzten sich intensiv mit den Räumlichkeiten und den Geschichten, die die besichtigten Zellen erzählten, auseinander. Besonders bewegten die Jugendlichen die Inschriften in einer Sammelzelle des ehemaligen Frauenhauses, die durch die Übersetzung in Deutsche Gebärdensprache für alle zugänglich wurden. Auch die partizipativ mit Schulen entwickelten Ausstellungsbereiche erleichterten den Transfer von historischen Ausgrenzungsmechanismen zu Fragen der Gegenwart.

Inklusive Erinnerungsarbeit gemeinsam weiterdenken

Aus dem Projekt nehmen wir viele Erfahrungen für unsere zukünftige Bildungsarbeit mit. Inklusive Materialien und flexible Methoden können Bildungsangebote für alle zugänglicher machen. Gleichzeitig hat sich gezeigt, wie wertvoll Kooperationen mit Gedenkstätten sind, um historische Orte für unterschiedliche Lerngruppen erfahrbar zu machen.

Die Gedenkstätte Brauweiler entwickelt hierfür bereits vielfältige inklusive Angebote – von Führungen in einfacher Sprache über einen gemeinsam mit Jugendlichen einer Förderschule entwickelten inklusiven Media-Guide-Rundgang bis hin zu haptischen Methoden und barriereärmeren Ausstellungszugängen.

Wir danken der Gedenkstätte Brauweiler, dem LVR-Internat Euskirchen sowie der Aktion Mensch für die vertrauensvolle Zusammenarbeit. Gemeinsam konnten wir erproben, wie inklusive antisemitismuskritische Bildungsarbeit gelingen kann – und nehmen viele Impulse für zukünftige Projekte mit.

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