
Interview mit Michael Kaufmann ‒ Start des Projekts ›Spuren erzählen‹
Mit ›Spuren erzählen‹ möchten wir ehrenamtliches Engagement in der Erinnerungsarbeit stärken. Das Projekt soll Menschen dazu ermutigen, sich aktiv mit Geschichte auseinanderzusetzen, selbst auf Spurensuche zu gehen und daraus Impulse für gesellschaftliches Handeln im Heute zu entwickeln.
Michael Kaufmanns Familiengeschichte, seine Recherchen und sein Engagement bilden dafür einen wichtigen Ausgangspunkt: Für die Entwicklung neuer kreativer und niedrigschwelliger Vermittlungs- und Engagementformate für Erwachsene begleitet uns Michael Kaufmann daher als Gesprächspartner und Ideengeber.
500 Briefe auf dem Dachboden
Michael Kaufmanns Familie väterlicherseits stammt aus Münster und wurde während des Nationalsozialismus als jüdisch verfolgt. Sein Großvater Ludwig Kaufmann wurde in Auschwitz ermordet. Seine Großmutter Lucie Kaufmann überlebte das KZ Stutthof. 1947 traf sie ihren Sohn Hans wieder, der über Dänemark nach Schweden fliehen konnte. Dort wurde Michael Kaufmann geboren und lebt dort bis heute.
Michael Kaufmann hat die Geschichte seiner Familie intensiv recherchiert. Einen besonderen Zugang boten ihm rund 500 Briefe, die seine Großeltern an seinen Vater geschrieben hatten und die dieser über lange Zeit auf dem Dachboden aufbewahrt hatte.
Aus seiner Recherche entstand sein Roman ›Med en blomma av filt‹ (›Mit einer Blume aus Filz‹), der bislang nur auf Schwedisch veröffentlicht wurde. Heute trägt Michael die Familiengeschichte weiter – unter anderem auch, indem er sie vor Schulklassen erzählt. Damit ist er für uns ein wichtiger Impulsgeber für das Projekt ›Spuren erzählen‹.
Aus Erinnerung wird Handeln: Jede*r kann Zweitzeug*in werden
Mit ›Spuren erzählen‹ möchten wir Menschen dazu ermutigen, selbst in der Erinnerungsarbeit aktiv zu werden, eine Rolle in der Erinnerungskultur einzunehmen und diese mitzugestalten. Michaels Weg zeigt dabei beispielhaft, wie eine solche persönliche Spurensuche zum Ausgangspunkt für eigenes Engagement werden kann.
›Spuren erzählen‹ möchte so Räume für Beteiligung und Mitgestaltung schaffen, ehrenamtliches Engagement stärken und demokratische Werte, Empathie, Verantwortung und Solidarität erfahrbar machen. Erinnerung verstehen wir dabei als etwas, das Menschen bewegen und gesellschaftliches Handeln anstoßen kann.
Mit dem Interview mit Michael Kaufmann ist der erste Schritt getan. In den kommenden Monaten werden wir weiter recherchieren, uns intensiv mit seiner Familiengeschichte auseinandersetzen und neue Vermittlungs- und Beteiligungsformate entwickeln. Über die nächsten Schritte und die Spuren, denen wir dabei begegnen, berichten wir hier.
FÖRDERPARTNER*IN
Wir freuen uns sehr über die Unterstützung durch die Postcode Lotterie, durch die dieses Projekt ermöglicht wird. Vielen Dank!
PROJEKTPARTNER*IN