
Neugier, Mut und bewegende Gespräche: Themenwoche zur Geschichte der Familie Hirsch
Lernen mit Geschichte – und mit Fragen
In den Workshops lernten die 73 Kinder und Jugendlichen die Geschichte von Julius Hirsch kennen, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts erfolgreicher Fußballspieler war und unter anderem für die deutsche Nationalmannschaft antrat. Neben dem Platz war Julius Hirsch das jüngste von sechs Geschwistern, ausgebildeter Kaufmann, Unternehmensleiter und Vater von zwei Kindern. Im Nationalsozialismus wurde er als Jude ausgegrenzt, deportiert und 1943 in Auschwitz ermordet. In den Workshops standen neben seiner Geschichte auch die seiner Kinder Heinold und Esther, die Theresienstadt überlebten, sowie die Perspektive der nachfolgenden Generationen im Fokus.
So konnte jede Gruppe eigene Fragen entwickeln - zu Julius Hirsch, zu seinem Sohn Heinold, aber vor allem auch zu und an Andreas Hirsch, dem Enkel von Julius Hirsch, der sich seit vielen Jahren für die Erinnerung an seinen Großvater engagiert.
Begegnung mit Andreas Hirsch
Der gemeinsame Höhepunkt der Workshop-Tage war das digitale Gespräch mit Andreas Hirsch am 23. Januar, bei dem alle Gruppen zusammenkamen. Besonders beeindruckend war der Mut vieler Schüler*innen: Zahlreiche Jugendliche trauten sich, live auf der Bühne ins Mikrofon ihre Fragen zu stellen – offen, neugierig und sehr persönlich.
Die Themen waren vielfältig: Neben der Familiengeschichte ging es auch um Verantwortung im Heute, um gesellschaftliche Entwicklungen und politische Fragen bis hin zu aktuellen Themen wie dem Erstarken der AfD. Es gab keinen festgelegten Fokus, sondern Raum für alles, was die Jugendlichen wirklich beschäftigte.
Offenheit, Emotionen und bleibende Impulse
Für viele Beteiligte war das Gespräch mit Andreas Hirsch in Teilen sehr emotional. Die Offenheit, mit der er über seine Familiengeschichte sprach und auf alle Fragen einging, hinterließ bei den Teilnehmenden einen nachhaltigen Eindruck.
Zwei Gedanken gab Andreas Hirsch den Jugendlichen dabei besonders mit auf den Weg:
mehr zu lesen und die eigene Familiengeschichte zu erfragen, zum Beispiel im Gespräch mit den Groß- oder Urgroßeltern. Denn Geschichte, so wurde deutlich, wirkt weiter – in Familien, Biografien und im Heute.
Besondere erste Workshops
Die Themenwoche markierte die Umsetzung der ersten eigenen Workshops von ZWEITZEUGEN e.V. zur Geschichte der Familie Hirsch. Umso besonderer war die Atmosphäre dieser Tage: geprägt von echtem Interesse, Respekt und dem gemeinsamen Versuch, Vergangenheit zu verstehen, um Verantwortung für die Gegenwart zu übernehmen.
Die vielen klugen Fragen und die große Beteiligung der Schüler*innen zeigen, wie wichtig solche Begegnungen sind – gerade in einer Zeit, in der Zeitzeug*innen selbst kaum noch berichten können und die Stimmen der Nachfolgegenerationen immer bedeutender werden.