
Weitere Lehrkräfte werden zu ZWEITZEUGEN-Multiplikator*innen
Selbst als Zweitzeug*in aktiv werden und (gestützt von ZWEITZEUGEN-Methoden) eine (Über)Lebensgeschichte weitertragen – dieser Herausforderung haben sich Ende Januar 2026 neun Lehrkräfte gestellt. Vom 19. bis zum 23.01.26 fand die Multiplikator*innenausbildung in Winterswijk (Niederlande) statt.
Fünf Tage lang waren wir in der Synagoge Winterswijk zu Gast, um gemeinsam zu arbeiten. Neben vertiefenden Inputs sowohl zum ZWEITZEUGEN-Ansatz, dem Herz-Kopf-Hand-Konzept als auch zu Oral History rahmten theoretische Kenntnisse zu der ›Postkartenmethode‹, der Methode ›Ein ganz normaler Tag‹, den ›Fußspuren‹, dem ›Transfer ins Heute‹ das gemeinsame Lernen. Außerdem schärften die Teilnehmenden ihr Hintergrundwissen zum Thema Antisemitismus und seinen Kontinuitäten.
Immer wieder reflektierten die Teilnehmenden ihre Rolle als Zweitzeug*innen, um schließlich das Herzstück ihrer Tätigkeit als Multiplikator*innen vorzubereiten: Das Erzählen einer (Über)Lebensgeschichte. Elisheva Lehman, Wolfgang Lauinger, Rolf Abrahamson, Dr. Leon Weintraub und Henny Brenner haben nun neun neue ausgebildete Zweitzeug*innen, die ihre Geschichten an Schulklassen weitertragen werden.
Neben der intensiven Befassung mit den (Über)Lebensgeschichten und der Auseinandersetzung mit den Methoden konnten wir zusätzlich während einer Führung durch den Synagogenkomplex spannende Einblicke in die Besonderheiten des Ortes erlangen. Auch das Kennenlernen der Familiengeschichte unserer Gastgeberin Mirjam Schwarz und ihre damit zusammenhängende Buchvorstellung waren Teil der Fortbildungswoche und sorgten für ganz besondere Momente. Besuch erhielten wir außerdem von Lily Prollius, die uns demokratiefördernde Methoden des Anne-Frank-Hauses (Amsterdam) präsentierte.
Das erste Projekt wurde schon nach kürzester Zeit durchgeführt: Am Herwig-Blankertz-Berufskolleg in Recklinghausen führten zwei neu ausgebildete Multiplikator*innen ein Projekt mit ihren Schüler*innen durch, in dem sie die (Über)Lebensgeschichte der Zeitzeugin Henny Brenner weiter trugen und die neu gelernten Methoden direkt testen konnten. Darüber verbanden sie Geschichte mit der Gegenwart, diskutierten die Frage, was Erinnerungsarbeit mit Demokratiebildung (heute) zu tun hat und entwickelten schließlich eigenständig ein Video, das sich mit dem Transfer ins Heute und einem solidarischen, respektvollen Miteinander beschäftigt.
Wir sind gespannt auf weitere eigene Projekte, die von den Lehrkräften initiiert werden. Unsere Zusammenarbeit ist damit aber nicht abgeschlossen, wir bleiben in engem Kontakt und Austausch und freuen uns auf (weitere) gemeinsame Projekte!te.