Eliezer Ayalon

Einer Lebensgeschichte wie Eliezer Ayalons kann man nur erschüttert lauschen. Er selbst schilderte sie mit einer unglaubliche Ruhe und Gefasstheit in perfektem Englisch. Eliezer war geübt. Sechs Tage die Woche arbeitete er daran, dass das Geschehene nicht in Vergessenheit gerät.

Kurzbiografie

Eliezer Ayalon wurde in Radom in Polen geboren und verlebte dort eine sehr glückliche Zeit mit seiner Familie, die jedoch mit dem Einmarsch der Deutschen ein jähes Ende fand. 1942, als das Radoner Ghetto aufgelöst wurde, sah der damals 14-jährige zum letzten Mal seine Familie.

Seine Arbeitserlaubnis bewahrte ihn damals vor »Treblinka«, nicht jedoch vor den fünf Lagern, darunter auch Plaszow, die er im Laufe des Krieges noch durchleben musste. Später wachte Elizier immer noch jeden Morgen mit dem Blick auf ein kleines Tässchen auf, ähnlich dem voller Honig, das seine Mutter ihm damals zum Abschied mit den Worten gab: Es ist vorbestimmt, dass du ein süßes Leben haben wirst.

Eliezer Ayalon hielt Vorträge, begleitete Führungen in Yad Vashem und beantwortete Fragen. Seit Eli Wiesel ihm gesagt hat, dass es vorherbestimmt sei, dass er seine Geschichte erzählt, hat er damit nicht mehr aufgehört.

»And I am happy with what I am doing. I am passionate about life. I am passionate about people and I am passionate about what I do.«

Ein Bild zum Weiterleben

»In meinem Kopf ist die Tasse immer noch mit Honig gefüllt, und sie fließt über, so dass andere Menschen ihre Tassen ebenfalls mit dem Honig füllen können. Ich habe seitdem Honig als eine Metapher für mein Leben übernommen.«

Unsere Begegnung

Auch wir durften erfahren, wie wichtig es ist, dass die Überlebenden der Schoah nach den vielen Jahren des Schweigens ebendieses gebrochen haben. Eliezer hat es sich zu einer Lebensaufgabe gemacht. Er stand jeden Morgen auf, das Tässchen auf dem Nachttisch, um gegen das Vergessen zu kämpfen.

Denn es ist etwas anderes, wenn man mit jemanden sprechen kann, der weiß, wie es in einem Lager ist. Wenn man erklärt bekommt, dass man sich schon in der Schlange für ein Stück Brot ausrechnen kann, ob man ein gutes Stück aus der Mitte, oder lediglich ein Endstück bekommt, und dass man sich besser sofort seine Nummer merkt, um den betrunkenen Soldaten am Wochenende keinen Grund für eine spontane Hinrichtung zu geben.

Es ist auch etwas anderes, wenn man jemanden kennen lernt und ein Gesicht mit dem Schrecken verbindet.

Am Abend nach unserem Treffen schauten wir uns Steven Spielbergs Film »Schindlers Liste« an. Wir kannten den Film bereits. Aber nach unserem Treffen mit Eliezer kannten wir auch jemanden, der tatsächlich in diesem grausamen Lager gewesen ist: Ein charismatischer, eindrucksvoller Mann, der uns mit freundlichen Augen angesehen hat während er von seiner Zeit im Lager, seinen Träumen und Hoffnungen sprach.

Eliezer Ayalon ist im Jahr 2012 gestorben. Wir möchten mit unserem Projekt seinen Auftrag aufnehmen und seine Lebensgeschichte weitertragen.

Eliezer Ayalons Geschichte für Zuhause

Das ganze Interview und alles zum Leben von Eliezer Ayalon findest Du im Ausstellungskatalog. Wir durften die Zeitzeug*innen in ihrem Zuhause besuchen und zu ihrer persönlichen (Über)Lebensgeschichte befragen. Wir übernehmen damit einen Teil der Verantwortung, die Erlebnisse der Zeitzeug*innen »Gegen das Vergessen« zu bewahren. Das gesamte Interview und alles rund um die Geschichten fassen wir unseren Magazinen zu jeder einzelnen Geschichte und einem Ausstellungskatalog mit zehn Interviews zusammen. 

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