Henny Brenner

Henny Kitty Brenner (geb. Wolf) wurde 1924 in Dresden als Tochter eines protestantischen Vaters und einer jüdischen Mutter geboren. Gemäß der jüdischen Tradition war Henny dadurch auch Jüdin, auf Wunsch der Mutter wurde sie jüdisch erzogen.

Henny Brenner verbrachte eine unbeschwerte und glückliche Kindheit. Mit der Machtübernahme durch die Nationalsozialist*innen und durch die eingeführten ›Nürnberger Rassengesetze‹ änderte sich ihr Leben schlagartig. Von den Nationalsozialist*innen als »Halbjüdin« kategorisiert, hatte sie durch die sogenannte »Mischehe« ihrer Eltern zwar einen gewissen Schutzstatus, doch die Familie wurde mehr und mehr zur Zielscheibe von Schikane und Ausgrenzung. Im Alter von 16 Jahren wurde Henny zur Zwangsarbeit für die Rüstungsindustrie verpflichtet.

Am 13. Februar 1945 erhielten schließlich auch Henny und ihre Mutter einen Deportationsbescheid, datiert auf den 16. Februar. Die Familie war verzweifelt, doch in derselben Nacht begannen auch die alliierten Luftangriffe auf Dresden. Durch das nun in der Stadt vorherrschende Chaos konnten Henny und ihre Mutter der Deportation noch im letzten Moment entrinnen. Sie versteckten sich in einem leerstehenden Haus, bis sie von der russischen Armee am 08. Mai befreit wurden.

»Heute sagen manche: Das können wir nicht glauben. Ich kann’s verstehen, wenn man so was sagt. Aber leugnen kann man auch nicht, darf man nicht.«

Henny Brenner

Die Familie entschied sich, in Deutschland zu bleiben und ein neues Leben zu beginnen. Doch 1952 galt es erneut, Koffer zu packen: Henny und ihre Eltern flohen aus der DDR nach Westberlin. Dort lernte Henny Hermann Brenner kennen, nach der Hochzeit zogen beide nach Weiden in der Oberpfalz in Bayern. Hermann Brenner gründete dort die jüdische Gemeinde und war über 40 Jahre lang deren Vorsitzende. Sie bekamen zwei Söhne und führten gemeinsam unter anderem ein Textilgeschäft, einen Buchladen und ein Antiquariat. Hermann Brenner starb 2004.

Auch im Nachkriegsdeutschland begegnete Henny immer wieder Antisemitismus. Sie entschied sich daher, obwohl es ihr nicht leicht fiel, nach der Wiedervereinigung regelmäßig als Zeitzeugin an Schulen zu sprechen – gegen das Vergessen. Sie mahnte stets, sich als Gesellschaft Antisemitismus, Rassismus und Diskriminierung entgegen zu stellen und für Toleranz einzustehen. 2001 veröffentlichte sie ihre Autobiographie »Das Lied ist aus. Ein jüdisches Schicksal in Dresden«.

Henny Brenner starb am 16. Mai 2020 im Alter von 95 Jahren.

Unsere Begegnung mit Henny

Henny Brenner haben wir bei unserem Interview 2015 als eine sehr leidenschaftliche, witzige, kluge und herzliche Frau kennengelernt, die sich mit all ihrer Kraft für Toleranz einsetzte. 

Es ist für keinen Überlebenden leicht, über das extreme Trauma der Schoah zu sprechen. Bei unserem Gespräch mit Henny merkten wir, dass auch für sie das Darüber – Reden sehr schmerzhaft ist und alte Wunden aufreißt: »Ich hab das Gefühl, dass ich jetzt einen hohen Blutdruck habe. Dass er hochgeschnellt ist, ja, das passiert, wenn ich über die Dinge spreche. Es geht eben unter die Haut.« 

Trotzdem mutete sie es sich zu, damit »die Jugend hört«. Über die Schrecken des Nationalsozialismus zu sprechen heißt auch, aus der Vergangenheit für die Zukunft zu lernen und in der Gegenwart zu handeln. Henny Brenners Geschichte ist daher auch Warnung, den gesellschaftlichen Entwicklungen, die ihr große Sorge bereiteten, entgegen zu treten: Niemand sollte die Augen vor auch heute bestehendem Antisemitismus, Rassismus und Ausgrenzung verschließen. 

Henny Brenner blättert in einem Fotoalbum mit Schwarz-Weiß-Fotos
Henny Brenner zeigt ein Foto ihres Vaters
Gemütliche Interviewsitation mit Henny Brenner

Henny Brenner hat sich bei ihrer Flucht in der Dresdner Bombennacht dafür entschieden, die Fotos aus ihrer Kindheit und Jugend mitzunehmen, statt den Platz für praktische Sachen zu nutzen.

In unserem Gespräch konnten wir erahnen, welch große Bedeutung diese Erinnerungen an die vielen verstorbenen Familienmitglieder und Freunde und an ihre Kindheit und Jugend in der Elbmetropole Dresden für Henny ihr Leben lang hatten.

»Jeder hatte einen kleinen Koffer in der Zeit, das Fluchtgepäck. Da hatte [man] ein paar Schuhe drin, bisschen Wäsche. Ich nicht, ich hatte ’nen Buch drin, was ich gerne hatte, und Fotos.«

Henny Brenner

Im Rahmen jedes Zeitzeug*innen-Interviews entstehen auch ein Portrait- und ein »Kommentarbild«, diese Fotografien zeigen wir in unserer eigenen Ausstellung. Das kleine Kommentarbild spiegelt die Antwort der Zeitzeug*innen auf die Frage wider: »Was hat Dir geholfen, nach dem Überleben weiterzumachen?«. 

Henny zeigte uns an dieser Stelle ein Foto ihres Vaters aus der Zeit vor dem Krieg. Sie sagte uns, dass er ihr stets sehr viel Kraft gegeben habe, sie selbst bezeichnete sich auch als »Papakind«. Seine protestantische Herkunft rettete Henny und ihrer Mutter das Leben, auch, weil er während der Zeit der Verfolgung stets bedingungslos zu seiner Familie stand. 

Wir empfinden es als großes Privileg, dass wir Henny Brenner kennenlernen konnten und nun ihre Geschichte weitertragen dürfen.