Peter Finkelgruen

An einem sehr kalten, aber sonnigen Mittag im November war ich bei Peter Finkelgruen eingeladen. Sehr aufgeregt und gespannt stieg ich die Treppen zu seiner Wohnung nach oben. Wer erwartet mich wohl in der Wohnung? Von was für einer einzigartigen (Über)Lebensgeschichte darf ich heute Zeugin werden?

Kurzbiografie

Peter Finkelgruen wurde am 9. März 1942 in Shanghai geboren. Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges waren seine Eltern dorthin ausgewandert, da sein Vater Hans als Jude in Deutschland verfolgt worden war. Nachdem Shanghai unter japanische Kontrolle fiel, lebte die Familie dort unter prekären Umständen in einem Getto. 1943 starb Peters Vater. Mit seiner Mutter Ernestine zog er 1946 nach Prag zur Großmutter, die mehrere Konzentrationslager überlebt hatte. Kurz darauf starb Peters Mutter an den Folgen des Lebens im Getto. Die Großmutter und Peter emigrierten daraufhin nach Israel, wo sie schließlich auf einem Hof lebten, den die Großmutter bewirtschaftete. 1959 absolvierte Peter das Abitur in Jaffa. Die beiden gingen nach Deutschland, wo Peter die Fächer Politikwissenschaft, Soziologie und Orientalistik studierte. Schließlich begann er als Redakteur und Sprecher für die Deutsche Welle, den Auslandsrundfunk der Bundesrepublik Deutschland, zu arbeiten. Für den Sender war er auch als Auslandskorrespondent in Israel tätig. Ende der Achtzigerjahre beschloss Peter eine Reise auf den Spuren seiner Eltern zu unternehmen und erfuhr dabei von einer Freundin seiner Großmutter in Prag, dass sein Großvater Martin Finkelgrün im Konzentrationslager Theresienstadt von einem Aufseher erschlagen worden war. Daraufhin setzte sich Peter über ein Jahrzehnt lang für die Verurteilung des Mörders ein. Währenddessen veröffentlichte er mehrere Bücher und arbeitete an Theater- und Filmprojekten. Heute lebt er in Köln.

Unsere Begegnung

Peter Finkelgruen und seine Tochter warteten in der geöffneten Wohnungstür auf mich, um mich zu begrüßen. Zusammen saßen wir am Esszimmertisch umgeben von deckenhohen Bücherregalen vor uns Kaffee und Kekse. Peter Finkelgruen wirkte ruhig und entspannt, etwas neugierig darauf, wer da vor ihm saß und was ich fragen würde. Für mich war dies ein besonderes Interview, denn Peter Finkelgruen hat gemeinsam mit einem Staatsanwalt versucht den Mord an seinem Großvater vor Gericht zu bringen. Ich arbeite schon sehr lange mit Gerichtsakten und habe mich sehr viel mit Vorermittlungen und Prozessen gegen Täter*innen im Nationalsozialismus beschäftigt. Überraschend und unerwartet hatten Herr Finkelgruen und ich gleich eine Gemeinsamkeit. Lange konnten wir darüber reden, wie mühsam es ist, alle Akten ausfindig zu machen, jedes noch so kleine Puzzlestück richtig anzuordnen und zu einem Verbrechen zusammenzusetzen.

Ich hatte einen Katalog an Fragen und hätte noch mehrere Stunden, vielleicht auf Tage, weiter fragen können. Dass Herr Finkelgruen so viele geduldig beantwortet und mit mir seine (Über)Lebensgeschichte geteilt hat, macht mich unglaublich dankbar. Den Moment in dem Herr Finkelgruen davon erzählt hat, wie er mit seiner Mutter auf dem Dach im Regen stand, wie er diese Episode erzählt hat, werde ich nie vergessen. Wie er und seine Großmutter sich nach dem Tod seiner Mutter ein neues Leben in Israel aufgebaut haben, dass er nach Deutschland gekommen ist und aller Widrigkeiten zum Trotz studiert hat, sowie sein Lebenslauf und das, was er erreicht hat, haben mich zutiefst beeindruckt.

Kennenlernen, Erinnern, Weitergeben

Peter Finkelgruens ganze Geschichte für Zuhause

Das ganze Interview und alles zum Leben von Peter Finkelgruen wird bald als Interview-Magazin veröffentlicht. Aktuell arbeiten wir noch daran. Wir freuen uns sehr, wenn Du uns mit einer Spende unterstützt, damit wir das Magazin bald drucken können:

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