Peter-Paul Klinger

Kurzbiografie

Peter-Paul Klinger kommt 1938 als Sohn wohlhabender jüdischer Eltern in Ungarn zur Welt, wird aber nicht jüdisch erzogen. Als die Wehrmacht 1944 das Land besetzt, spitzt sich die Lage auch für die ungarischen Juden*Jüdinnen zu. Um ihn vor den drohenden Deportationen zu retten, entwickeln Peters Eltern einen Plan: Er soll unter der Obhut der Köchin die Identität deren Neffen Géza annehmen und dessen Geburtsurkunde erhalten. Das rettet Peter schließlich das Leben, denn er bleibt – auch, weil sie ständig den Aufenthaltsort wechseln – unentdeckt. In welch großer Lebensgefahr er sich zu dieser Zeit tatsächlich befindet, wird ihm jedoch erst lange nach dem Krieg bewusst.

1956 emigriert Peter-Paul Klinger aus Ungarn und lebt zunächst in Österreich, bevor er sich in den 1970er Jahren entschließt nach Deutschland zu ziehen. Seit 2008 lebt der Rentner im hessischen Witzenhausen, das er als seine Heimat bezeichnet.

»Ich möchte in einem Land leben, irgendwann, wo es normal ist, eine Kippa zu tragen oder nicht zu tragen. Und keiner sich aufregt, wenn man einem Juden begegnet, sondern ›Guten Tag‹ sagt oder ›Schalom‹ sagt und seiner Wege geht.«

Ein Bild zum Weiterleben

Nach dem Krieg fand Peter-Paul Klinger keinen Ort, an dem er sich heimisch fühlte. Er wechselte häufig seinen Wohnort und machte viele Reisen. Ein Andenken ist der Makramee-Wandschmuck, den er selbst auf einer Fahrt nach Indien geknüpft hat. Auf weiteren Reisen entstanden viele weitere, so dass er diese auch verkaufte. Dieser Wandschmuck symbolisiert für uns die Rastlosigkeit von Herrn Klinger auf der Suche nach einer Heimat. Er lebte an vielen Orten, doch 2008 hat er in Witzenhausen seine Wahlheimat gefunden.

Unsere Begegnung

Wir haben Herrn Klinger im September 2018 für ein Interview besucht. Auf dem Weg zu seinem Haus sind wir durch die kleine idyllische Altstadt von Witzenhausen gelaufen, durch Gassen mit Kopfsteinpflaster. Herr Klinger wohnt in einem Fachwerkhaus, das sonnengelb gestrichen ist und so niedrige Türrahmen hat, dass wir die Köpfe beim Durchgehen einziehen mussten.

Stolz hat Herr Klinger uns sein Zuhause und seinen Garten gezeigt, der im September noch herrlich grün war. Für das Interview hatte Herr Klinger sich seine Küche ausgesucht. Wir saßen gemeinsam an seinem Küchentisch, tranken Tee und wurden erst einmal von ihm ausgefragt: »Was machen Sie beruflich? Was haben Sie studiert? Warum interviewen Sie Überlebende des Holocausts? Was machen Sie mit den Kindern und Jugendlichen?« Herr Klinger wollte alles ganz genau wissen. Am Anfang wirkte er etwas zurückhaltend und abwartend, was heute wohl geschehen würde, welche Fragen auf ihn zukommen. Bevor es mit dem Interview losging, haben wir uns noch über die aktuelle politische Lage unterhalten, ein Thema, das für Peter-Paul Klinger sehr wichtig ist und ihm nahe geht.

Das Interview begann mit einem kleinen historischen Exkurs in die ungarische Geschichte. Herr Klinger wollte uns so viel Wissen wie möglich mitgeben. Während des Interviews hat er sich selbst immer wieder unterbrochen und über das Erzählte nachgedacht. Immer wieder reflektierte er seine Handlungen, seine Entscheidungen und seinen gesamten Lebenslauf. Als Jugendlicher wanderte er nach Österreich aus und betrachtet sich im Rückblick als zutiefst verunsichert in dieser Zeit. Dies zeigt sich, so sagt er, in seinem gesamten Lebenslauf: Immer wieder ist er umgezogen und hat in allen möglichen Ländern gelebt. Herrn Klinger haben wir als klugen, aufgeschlossenen und wahnsinnig freundlichen Menschen erlebt. Er scheint allem, was er neu kennenlernt, mit grenzenloser Neugier zu begegnen.

Kennenlernen, Erinnern, Weitergeben

Peter-Paul Klingers ganze Geschichte für Zuhause

Das ganze Interview und alles zum Leben von Peter-Paul Klinger wird bald als Interview-Magazin veröffentlicht. Aktuell arbeiten wir noch daran. Wir freuen uns sehr, wenn Du uns mit einer Spende unterstützt, damit wir das Magazin bald drucken können:

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